Geck Martin - Die Bach-Söhne PDF Drucken E-Mail
Literatur

160 Seiten.
Rowohlt Taschenbuch Verlag.
ISBN 3-499-50637-8.

Gecks Überblick über Leben und Werk der bedeutendsten vier der zahlreichen Kinder Bachs hat in einem relativ dünnen Büchlein (~160 Seiten) Platz. Der Grund: über Bachs Sprösslinge ist relativ wenig bekannt und das was man zu wissen glaubt ist nicht einmal immer wissenschaftlich erhärtet. Beides zum grossen Leidwesen eines historisch so neugierigen Lesers wie ich es bin! Wer an Bachs Werk interessiert ist kommt nicht darum herum, sich auch mit seinem Leben zu befassen. Und wer an Bachs Leben interessiert ist kommt nicht darum herum, sich auch mit seinen Angehörigen zu befassen!

Dieses Buch hat mich auf eigenartige Weise sehr berührt! Das Leben an und für sich eilt ja in Riesenschritten. Ein Eindruck der durch die Knappheit dieses kleinen Buches verstärkt wird. Vom jungen Verlobten und baldigen Familienvater, über den Musiker der sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens befindet, bis zu seinem tragischen Tod eilt die Geschichte. - Moment: ich rezensiere nicht etwa ein falsches Buch! «Die Bach-Söhne» beschreibt zwar das Leben von Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel, Johann Christoph Friedrich, und Johann Christian und endet nicht etwa im Jahr 1750 sondern erst viel später. Trotzdem fand ich mich als Leser immer wieder in der Rolle des Vaters der von Weimar, von Köthen, von Leipzig oder vom Himmel aus mit Stolz auf seine Kinder hinab blickt.

Der neunjährige Friedemann, dem der Vater ein Notenbüchlein anlegt. Emanuel, der es gemäss Aussagen eines Lehrers liebte, seine Klassenkollegen zu necken. Christoph, von seinem ältesten Bruder als «stärkster Spieler» bezeichnet. Oder Nesthäkchen Christian, mit ziemlicher Sicherheit ein besonderer Liebling seines Vaters. Die Sorge um eine gute Ausbildung. Gemeinsame Opernbesuche in Dresden. Unterstützung bei Stellenbewerbungen. Freude an Enkelkindern.

Die Söhne entwickeln sich höchst unterschiedlich, ihrem Charakter entsprechend. Allen gemeinsam ist aber, dass es ihnen gelingt sich einen eigenen Platz in der Geschichte zu erarbeiten. Wie oft und bei welchen Gelegenheiten sich ihre Wege nach des Vaters Tod noch gekreuzt haben ist nicht genau überliefert. Oder wie das gegenseitige Verhältnis gewesen sein mag? Der Umgang mit den übrigen Geschwistern oder der Mutter? Geck spricht viele dieser Themen an und wirkt vielleicht gerade deswegen glaubwürdig, weil er nicht (penetrant wie Kollege Klaus Eidam) behauptet, es wirklich genau zu wissen.

Das Buch ist mit vielen Bildern angereichert, packend geschrieben und liest sich entsprechend leicht. Für beginnende und fortgeschrittene Bach-Liebhaber sehr empfehlenswert! Nein: ein Muss!!

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. Mai 2011 um 11:18 Uhr