Hart Maarten 't - Bach und ich PDF Drucken E-Mail
Literatur
Geschrieben von: Christof Rimle   
Dienstag, den 25. Oktober 2005 um 23:00 Uhr
mit Musikbeispiel CD.
Arche Verlag 2000.
ISBN 3-7160-2265-9.

Auch Bach-Biographien können anstrengend sein. Meistens sind sie knochentrockene Kost, durch die sich der ernsthafte Bach-Liebhaber durcharbeiten muss, wenn er sein rudimentäres Wissen erweitern will. Nicht so bei Maarten ´t Harts Liebeserklärung an Bach: „Bach und ich“, erschienen bei Piper als Paperback für 9,90 €. Das Buch mit 260 Seiten enthält als Beigabe eine Musik-CD, auf der sich 14 Werke Bachs befinden, allesamt erklärte Lieblingsstücke Harts und gespielt vom Amsterdamer Baroque Orchestra & Choir unter der Leitung von Ton Koopman, bzw. Koopman als Organist oder Cembalospieler.

Hart will gar nicht erst den Anschein einer seriösen Biographie erwecken, sondern beginnt gleich mit der subjektiven Aussage: „Im Reich der Musik gibt es zwei Komponisten, die ... „ um eines Hauptes grösser sind denn alles Volk“. Turmhoch überragen Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart ihre komponierenden Zeitgenossen. Auch nach ihnen sind, ohne Beethoven, Schubert, Wagner und Verdi herabsetzen zu wollen, nie wieder Komponisten hervorgetreten, die ihrer Genialität das Wasser reichen konnten.“ Nun ja, Hart ist Schriftsteller und kein Musikwissenschaftler; er darf solche Sätze schreiben.

Maarten ´t Haart, wurde 1944 in Maasluis, Niederlande, als Sohn eines Totengräbers geboren. Nach dem Studium der Biologie in Leiden arbeitet er dort als Dozent für Tierethologie. Seinen ersten Roman schrieb er spät; erst 1997 erschien er auf deutsch. Danach ging es Schlag auf Schlag. In „Das Wüten der ganzen Welt“ schreibt er, dass seine „tiefste und dauerhafteste Liebe Johann Sebastian Bach gilt“.

Die Einteilung der Buchkapitel ist etwas unübersichtlich, aber für den Cembalo- und Orgelspieler, der sich jedes Werk persönlich hart erarbeitet, indem er es solange übt, bis er es flüssig spielen kann, durchaus logisch. Im ersten Themenblock befasst er sich ausführlich mit dem Menschen Bach und weist bei der Gelegenheit nach, dass eine Vielzahl von Biographen sich Behauptungen und Aussagen aus den Fingern gesogen haben, die sich mit den wenigen verfügbaren Dokumenten nicht belegen lassen.

Im zweiten Themenblock fasst Hart die Kantaten, das Wohltemperierte Klavier, die Suiten und Sonaten, die Violinkonzerte und die Matthäus-Passion sehr kenntnisreich zusammen. Seine Aussagen über Zusammenhänge zwischen Text und Musik bei Kantaten und Oratorien sind sehr plastisch beschrieben und machen Lust auf mehr. So gibt er Empfehlungen zum Hören und Spielen derselben und würzt diese mit persönlichen Erfahrungen. Obwohl selbst Organist behandelt Hart alle relevanten Orgelwerke auf nur acht Seiten im Schnelldurchgang ab; dieser Bereich kommt für meinen Geschmack zu kurz.

Zum Schluss werden auf nur sieben Seiten die Konzerte abgehandelt. Dafür wird die empfohlene Literatur zum Thema Bach sehr ausführlich kommentiert. Ein Register der verwendeten Literatur, ein Personen- und ein Werkregister (soweit ein Werk Bachs im Buch Erwähnung findet) runden dieses sehr persönliche aber immer spannend und humorvoll geschriebene Buch ab.

Ich habe „Bach und ich“ das erste Mal verschlungen ohne mich lange bei den einzelnen Werken aufzuhalten, dann ein zweites Mal mit längerem Verweilen bei Harts Meinungen zu den einzelnen Werken und jetzt – beim wohl fünften Mal – weiss ich, wo ich anderer Meinung bin als er. In der überwiegenden Anzahl der Fälle teile ich allerdings seine Auffassung zu Bach und seinen Werken – einem sehr persönlichen Bach.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. Mai 2011 um 11:33 Uhr