Eidam Klaus - Das wahre Leben des J. S. Bach PDF Drucken E-Mail
Literatur
Geschrieben von: Christof Rimle   
Dienstag, den 25. Oktober 2005 um 23:00 Uhr
Piper Verlag 2000.
ISBN 3-492-23068-7.

Ein Buch mit dieser Überschrift zu versehen braucht ziemlich Mut. Dem Autor Klaus Eidam ist es aber offensichtlich ernst, denn auf der Umschlagrückseite gibt er noch einen drauf: «Legende und Wirklichkeit Johann Sebastian Bachs».

Auf weiten Strecken dominiert in diesem Buch Kollegenschelte. Der Autor wirkt auf mich zwar oft überzeugend wenn er anderen Bach-Biographen voreilige Schlussfolgerungen, oberflächliches Recherchieren oder gar Tatsachenverdrehungen vorwirft. Nun, wer Beweise für die neuen Erkenntnisse erwartet ist leider naiv. Es ist einfach, fast die ganze bisherige Bachforschung zu hinterfragen, nein stärker: in Frage zu stellen ohne jedoch die eigenen Behauptungen zu belegen. Mit Eidams Thesen könnte ich gut umgehen, wenn nicht immer wieder sehr deutlich der rechthaberische Unterton zu spüren wäre. Ich liebe doch solche «Was-wäre-wenn-Szenarien» und oft geht dabei die Fantasie mit mir durch. Aber ich finde es anmassend darauf zu beharren, es gebe nur diese eine Wahrheit.

Ein Beispiel: das einzige wissenschaftlich anerkannte Bild von JSB ist bekanntlich das Haussmann Portrait aus dem Jahr 1746. Eidams Buch enthält jedoch weitere Abbildungen deren Kommentare nicht die Spur eines Zweifels an der Authentizität dulden: das eine Bild zeigt den 30-jährigen Bach zur Weimarer Zeit, das andere den trauernden Witwer in Köthen. Basta!

Je länger und intensiver ich mich mit Bachs Leben beschäftige desto mehr komme ich zum Schluss, dass wir eigentlich so gut wie nichts wirklich Verbürgtes über unseren verehrten Meister wissen. Nicht einmal bei schriftlich festgehaltenen «Fakten» besteht die absolute Gewissheit, dass nicht vielleicht doch eine durch das 20. oder 21. Jahrhundert geprägte Sichtweise die mehrere hundert Jahre zurückliegenden Ereignisse fehlinterpretiert.

<li>Das Buch liest sich leicht wenn man über die erwähnte Kollegenschelte hinwegsehen kann.
<li>Es gibt Denkanstösse, womöglich vorhandene eigene vorgefasste Meinungen zu überprüfen.
<li> Die Menge der Informationen ist für Nicht-Wissenschaftler bestimmt ausreichend, eine relativ umfassende Abhandlung über Leben und Werk also.
<li>Nervig sind die unzähligen Anmerkungen die als Endnote erst am Schluss des Buches platziert sind. Dauerndes Hin- und Her-Blättern ist die Folge. Ich sehe keinen stichhaltigen Grund, warum der Autor diese Darstellung gewählt hat. Das Einarbeiten dieser Anmerkungen in den Text läge auf der Hand und wäre viel lesefreundlicher.

Was mir beim Lesen immer wieder auffiel sind die vielen Parallelen zur vierteiligen TV-Serie «Johann Sebastian Bach. DDR/Ungarn 1985». Bis ich erfuhr, dass Eidam an diesem Film in beträchtlichem Ausmass mitwirkte...

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. Mai 2011 um 11:26 Uhr