Wolff Christoph - Johann Sebastian Bach PDF Drucken E-Mail
Literatur
Geschrieben von: Christof Rimle   
Dienstag, den 25. Oktober 2005 um 23:00 Uhr
622 Seiten.
Fischer 2000.
ISBN 3-10-092584-X.

Prof. Dr. Claudia Zenk, Direktorin des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Hamburg, stellte anlässlich des 79. Bachfestes Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Wolff mit den Worten vor: „Die Harvard University hat Christoph Wolff nach Jahrzehnten des Forschens über das Thema Johann Sebastian Bach, seine Familie und seine/deren Werke zum „Universal Professor“ ernannt. Dieser Titel ist in Deutschland nicht bekannt und kann nur ungefähr mit „nahe bei Gott“ übersetzt werden.“ Dieser kleine Scherz beinhaltet eine grosse Wahrheit: Niemand weiss in diesem Moment mehr über Bach als Christoph Wolff. Was liegt also für einen Bachinteressierten näher als sich die Bücher Wolffs zum Thema JSB zu kaufen und fleissig zu studieren.

Christoph Wolff, geb. 1940, ist seit 1976 Ordinarius für Musikwissenschaft an der Harvard University in Cambridge, Massachussetts, und war dort 1980-88 Chairman des Department of Music, 1991-92 kommissarischer Direktor der University Library und 1992-2000 Dekan der Graduate School of Arts and Sciences. Zuvor lehrte er von 1963-69 an der Universität Erlangen, bis 1970 an der University of Toronto und bis 1976 an der Columbia University in New York. Er bekleidete Gastprofessuren in Princeton und Basel. Er gehört dem Herausgeberkollegium der Neuen Bach-Ausgabe an, ist Mitherausgeber des Bach-Jahrbuchs, Vorsitzender des Zentralinstituts für Mozart-Forschung in Salzburg, u.s.w., etc. pp. Die erhaltenen Preise und Würdigungen füllen Bände und würden den Rahmen sprengen. Zu seinen vielen Editionen und Buchbeiträgen sollen nur einige hier erwähnt werden, die Bach betreffen: Essays on His Life and Music, Die Bach-Familie, Die Welt der Bach-Kantaten.

Die hier vorgestellte Biographie mit dem Titel „Johann Sebastian Bach“ ist im S. Fischer Verlag erschienen und hat 624 Seiten. Das Buch ist, wie es sich für einen Professor gehört, sehr übersichtlich in 12 Kapital sowie Prolog und Epilog gegliedert und ist – wie er mir im November 2004 sagte – die eine Hälfte eines auf zwei Bände angelegten Werks. Das hier vorgestellte Werk stellt also Band 1 dar und berichtet sehr detailliert und kenntnisreich über das Leben Bachs, während Band 2 die Werke JSBs behandeln soll (Herausgabe nach seinen Worten innerhalb der nächsten zwei Jahre).

Hier eine Kurzfassung der Inhaltsangabe:
  1. Ursprung der musikalischen Begabung und lebenslange Einflüsse (Eisenach)
  2. Grundlagen: In der Obhut des älteren Bruders. Musikalische Anfänge (Ohrdruf 1695-1700)
  3. Akademische Bildung statt Handwerkslehre (von Lüneburg nach Weimar, 1700-1703)
  4. Anerkennung und frühes Ansehen (Organist in Arnstadt und Mühlhausen, 1703-1708)
  5. In der Orgelkunst alles mögliche versuchen (Hoforganist und Cammer-Musicus in Weimar, 1708-1714)
  6. Erweiterung des musikalischen Horizonts (Concert-Meister in Weimar, 1714-1717)
  7. Beflügelt im <musikalischen Wettstreit um den Vorzug> (Capell-Meister in Köthen, 1717-1723)
  8. Neudefinition eines altehrwürdigen Amtes (Cantor und Music-Director in Leipzig – die 1720 Jahre)
  9. Musiker und Gelehrter (Kontrapunkt von Theorie und Praxis)
  10. Jenseits des Konventionellen (Neue und besondere Aufgaben – die 1730 Jahre)
  11. „Ein abgerichteter Singvogel“ und „Nelken für die Frau Liebste“ (Einblicke ins Privat- und Berufsleben)
  12. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Blickwinkel (Das letzte Jahrzehnt)
Die „Welt“ nennt das Buch „Brillant“, die „ZEIT“ „Gewaltig“, ich nenne es umfassend, lehrreich und spannend. Wolff ist ein anspruchsvoller Schreiber, der alles genauestens recherchiert hat – er ist schliesslich auch noch Direktor des Bach-Archivs in Leipzig – und nichts auslässt und nichts hinzufügt, was nicht belegt ist. Wer also eine „Bach-Bibel“ vom „Bach-Papst“ haben möchte, der kommt um dieses Buch nicht herum und muss sich damit abfinden, in ca. 2 Jahren Band 2 auch noch kaufen zu müssen.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. Mai 2011 um 11:33 Uhr